Ausruf:
"Stellt es euch vor, die Erde ist wie eine große Skulptur, die sich in ständiger plastischer Veränderung befindet. Wir bewegen uns und unsere Schritte hinterlassen Spuren. Jeder entscheidet, welchen Weg er geht und formt damit das Bild der Erde. Wir ritzen, graben und bauen unser gesellschaftliches Leben. Mit diesem Bild im Kopf sind wir Bildhauer unserer Erde."
So gesehen ist der Moment der Entscheidung der zentrale, gestalterische Moment .So gesehen ist die Entscheidung die "Eine Welt Villa" in dieser Form entstehen zu lassen, eine starke Skulptur.
Johannes Volkmann - Gründer des Papiertheaters, Verleger und Initiator



Homo Nidicolus
John Maynard Smith, Richard Sennet, ... überlegen wann der Mensch [homo erectus, homo faber, animal laborans] als jüngstes Produkt der Evolution in die Welt getreten ist und Dampfmaschine, Atombombe etc. hervorgebracht hat. Nicht alle Neuentwicklungen sind vielversprechend und die wenigsten erweisen sich als überlebensfähig oder gar sinnvoll. ... Nestbau ist etwas was vielen Lebewesen gemein ist. Auch der Mensch baut Nester. Die berühmtesten unter ihnen zählen zu den von Menschen geschaffenen Weltwundern. ... Wie stark sich der Nestbautrieb beim Menschen ausprägt zeigt die Studie von Menschen die Nachwuchs erwarten. ... Anders als Vögel, Rehe oder Schlangen verlassen Menschen ihr Nest erst sehr spät, manche nie. Dieses Phänomen berührt nicht nur die persönliche Entwicklung [Ontogenese], sondern auch die der menschliche Kultur [Phylogenese]. ... Die immobilen Immobilienbesitzer haben sich scheinbar gegenüber den Nomaden, Hirten, Landstreichern, Fahrenden durchgesetzt und deren Kulturformen weitgehend verdrängt. ... Nesthocker [homo nidicolus] sind neophob und versuchen Probleme aus ihrer Innenperspektive zu lösen. So neigen gefundene Lösungen dazu zukünftige Probleme zu erzeugen. Problemfindung und Problemlösung erzeugen eine Spirale, sie eskalieren. ... Richard Sennet sieht den Ausweg für die Menschheit, welche auf ihrer Problemspirale der eigenen Auslöschung entgegen strebent, in der Rolle des Fremden: "... nur solch ein Gefühl der Entwurzelung und Entfremdung [vermag] unsere heutige Praxis zu verändern und unsere Konsumwünsche einzuschränken."* Wir können die Lösung der Probleme der Menschen / Menschheit auch in dem Schritt finden das Nest zu verlassen. Das Nest zu verlassen geschieht nicht mit der Perspektive auf etwas verzichten zu müssen, sondern aus der Neugier auf die Welt und auf die eigene Kraft und Fähigkeit. Sie erzeugt einen Perspektivwechsel und nährt sich aus einem Wunsch nach Unabhängigkeit. ... Diesem Wunsch folgt auch die EineWeltVilla - sie ist ein Schritt aus dem Nest, ein Tasten in die Richtung: Was würde passieren wenn ich versuche selbständig zu sein und den immer komplexer werdenden Abhängigkeitsstrukturen zu entwischen. ... Wie die EineWeltVilla zeigt ist der konkrete Schritt zur Autonomie leicht zu tun. Nur die Polizei im Kopf, die fütternden Eltern, der geliebte Geruch an die Kindheit halten uns zurück.
*Zitat: Richard Sennett, Handwerk, Berlin 20012, S. 25
Gesamttext: Klaus Kirchner M.A. - Unternehmensberater Basel



Baukräne am Himmel
Überall in Europa ragen Baukräne in den Himmel. Unter den Kränen Menschen die fremde Sprachen sprechen und in den Räumen die sie erstellen nicht wohnen oder arbeiten werden dürfen. Priester des zu viel verliehenen Geldes versuchen Gold herzustellen. Sie möchten Buchungszeilen in begrenzte Ressourcen umwandeln mit denen dann weitere positive Buchungszeilen und Abhängigkeiten erzeugt werden. Real begrenzte Ressourcen wie Land, Wasser, Bodenschätze, Lebensmittel, Luft sind zu knapp für die vielen Buchungszeilen. Die begrenzte Ressource Wohn- und Arbeitsraum verspricht mehr Entwicklung, denn sie kann mit Buchungszeilen hergestellt werden. Gäbe es die Marktwirtschaft real, so müsste der Immobilienblase ein Preisverfall von Wohn- und Arbeitsräumen folgen, der Wohnen billiger, Büroflächen günstiger und Werktstätten leistbarer macht. Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten für Menschen würden entstehen und wären kulturellee und wirtschaftliche Faktoren. Dass eine Entwicklung in diese Richtung völlig ausbleibt und vielmehr die Preise weiterhin steigen, Räume leerstehen und vernichtet werden um Preise hochzuhalten zeigt wie mächtig die Profitinteressen und der Glaube unter der Immobilienblase sind. Um ihnen entgegenzuwirken bedarf es politischer Diskussion und Entscheidungen, einer fördernden Raum- und Städteplanung. Städteplanung wird selten als kulturelles Phänomen betrachtet. Im Kern geht es nicht um Fassaden, Dekors, Farben oder Baumaterialien sondern um die Fragen: Welches Leben fördert die Bebauungs-Kultur. Hat die lokale Gesellschaft gemeinschaftlich nutzbare Flächen und Räume entwickelt? Gibt es die Chance ohne ererbten Reichtum angemessene Räume zu nutzen (z.B. über angemessene Mieten) oder ist die Gesellschaft feudal: wer viel ererbt hat hat Raum, wer wenig besitzt ist abhängig? Lebt die Bevölkerung in ererbtem Eigentum und in Schein-Eigentum, das über eine Versklavung (Kreditaufnahme, Verschuldung) feudale Strukturen stabilisiert? In Europa haben Raum- und Städteplanung in öffentlicher Hand viele Werkzeuge (vom Denkmalschutz über Feuerschutz zu Bebauungspläne) um bestimmte Bebauung und Nutzung zuzulassen oder zu verhindern, zu fördern oder zu verunmöglichen. An den Schaltstellen dieser Macht sitzen selten humanistisch orientierte Künstler. Raum- und StädteplanerINNen werden nicht demokratisch gewählt, und überleben viele politische Veränderungen. Ein guter Kaiser oder eine gute Kaiserin können vieles positiv bewegen. Wer nicht auf sie warten möchte oder den Glauben an ihre Existenz verloren hat, dem bleibt die eigene Autonomie, die Selbstermächtigung. Sie ist zudem ein gutes Mittel gegen lebensfeindliche Überregulierung. Eine Selbstermächtigung im Sinne demokratisch humanistischer Bebauungs-Kultur stellt die EineWeltVilla dar. Sie zeigt auf Graswurzelniveau dass und wohin eine menschenwürdige Entwicklung möglich ist.
Nikkolo Feuermacher, Autor Wien 2013



Wohnfühlen
Der Name führt in die Irre: Die EineWeltVilla von Stuff B. Klier ist kein Modellhaus für nachhaltiges Wohnen für alle. Sie ist auch keine Villa Kunterbunt eines kauzigen Anarchisten. Nicht-Sein - die Kunst des Weglassens - sowie das In-die-Irre-Gehen sind allerdings Gedanken, die das kleine Selbst-Bauwerk am Ende der Sackgasse als Eigenduft verströmt. In einem radikalen Selbstversuch begibt sich der Künstler auf Feldforschung in sein soziales Umfeld und sucht Antworten auf Fragen, die jeden Menschen in der Einen Welt bewegen. Wie möchte, kann, soll und darf ich wohnen? Fragen, die beim Einzug in die gemietete oder gekaufte Unterkunft beantwortet scheinen. Dabei sind sie nie wirklich und wirksam gestellt worden. Und so lotet der Künstler im Selbstversuch das Thema Wohnen in allen Perspektiven aus: vom ganz persönlichen über das gesellschaftliche Umfeld, Politik und Fragen globaler Gerechtigkeit und Ökologie. Wie viel Platz brauche ich wirklich? Brauche ich im Sommer und im Winter gleich viel Platz? Was kann ich selbst bauen, wo stoße ich an meine Grenzen? Welche Materialien verwende ich? Wie ökologisch baue ich und wie viel ist mir das wert? Wie kommen Strom und Wasser zu mir, Abwasser und Fäkalien von mir weg? Wie abhängig bin ich von anderen Menschen und wie viel Spaß macht mir das? Gibt es Grauzonen in der Stadt, die ich in Besitz nehmen kann? Kann ich mir mein Menschenrecht auf Wohnen einfach nehmen? Die EineWeltVilla ist eine Provokation. Nicht nur für Obrigkeiten und Normalwohnerinnen und -wohner. Auch für den Künstler selbst. Die EineWeltVilla ist Katalysator und Kommunikations-Medium in einem. Und ein Werk, das nie abgeschlossen ist.
Irmgard Kirchner, Chefredakteurin Südwind - Magazin, Kulturanthropolin Wien


Spiegel online vom 11.10.2013
"Europa ist mit der schlimmsten humanitären Krise seit sechs Jahrzehnten konfrontiert", sagte IFRC-Generalsekretär Bekele Geleta. Ungeachtet der wirtschaftlichen Erholung in einigen wenigen Ländern Europas lebten in anderen Teilen des Kontinents Millionen Menschen wegen der Folgen der Finanzkrise in Armut. Das gehe aus Datenerhebungen von 42 Rotkreuz- und Halbmondgesellschaften hervor. Demnach sei in den Jahren 2009 bis 2012 die Zahl der Menschen, die Nahrungsmittel von den Hilfsorganisationen bekamen, in 22 Ländern Europas um 75 Prozent gestiegen. Laut französischem Roten Kreuz konnten sich Dreiviertel der Hilfsempfänger ohne Suppenküche und Lebensmittelspenden die Miete für ihre Wohnung nicht leisten. Insgesamt wurden 52 Staaten in der Studie untersucht, die auf Zahlen des Statistischen Amtes der Europäischen Union basieren.
Regel: zuerst den Mietzins begleichen und dann schau zu wie du überlebst


EINEWELTVILLA 2013
Die EINEWELTVILLA ist ein partizipatives Kunst-Projekt von Herrn Stuff, in dem Interessierte ab Mai 2013 Probe-Wohnen können. Auf seiner Durchreise in Wien befragten ihn im Dezember 2012 Irmgard Kirchner und Nikkolo Feuermacher.
Frage: Sie haben in einem verwilderten, ungenutzten Garten mitten in der Stadt mit eigenen Händen und einfachsten Mitteln die EINEWELTVILLA errichtet und leben dort auf 10 qm geheizter Wohnfläche. Worum geht es bei der EINEWELTVILLA?
Stuff: Es gibt eine gefühlte Einsicht unter den Menschen, die mich umgeben: Bei weiterem Wachstum des Energieverbrauchs, der Vereinzelung, dem noch perfekteren, noch bequemeren Leben ohne Ende - stellt sich die Frage: Wann ist man satt? Wann hört man auf, mehr zu wollen?
Ich möchte die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensrealität, dem eigenen Wachstum an Bedürfnissen und Wohnraum provozieren. Eine Gedankenwelt auf der Basis: alle Menschen auf der Erde haben das gleiche Recht zu wohnen. Da dann die meisten Menschen in West-Europa materiell weniger hätten als jetzt, ist das schon eine Provokation.
Frage: EINEWELT ist ein politischer Kampfbegriff. Was ist das Modellhafte an dem Projekt?
Stuff: Modellhaft? Wie soll ich für irgend jemanden ein Modell entwickeln? Ich suche mehr nach einem Ort wo sich alle Fragenden finden. Stell Dir vor, es gibt keine Länder und keine Grenzen mehr und wir begrüßen alle, wenn sie auf die Welt kommen. JedeR Neugeborene hätte Anrecht auf eine Fläche, auf Ressourcen zum Bauen und Energie. Nach seinem Tod verfällt das wieder. Das hat nichts mit politischen Kampfbegriffen zu tun.
Frage: Ist der sozial-utopische Teil des Vorschlags schon durchgerechnet?
Stuff: Das kann gerne jemand machen. Es ist im Augenblick jedem erlaubt, sich ein Zehn-Quadratmeter-Auto zu kaufen und die Straßen damit zu blockieren. Wenn man sich vorher darüber unterhalten hätte, könnte man dazu auch ein Szenario enwickeln. Ich will eine Diskussion anregen. Eine um Ressourcen streitende Gesellschaft soll abgelöst werden durch eine gemeinsinnig strukturierte. Wer möchte, kann es einmal eine Woche lang ausprobieren.
Frage: Wersollte das tun?
Stuff: Der Mensch ist zoologisch gesehen ein Steppenläufer. Er sollte pro Tag 30 km laufen. Da frage ich mich in wie weit dienen dem Menschen Autos, Fahrstühle und Sofas für seine artgerechte Haltung? [Haltung als Geisteshaltung verstanden] Viele Menschen suchen in ihren Freizeitbeschäftigungen und Urlauben die Nähe zur artgerechten Haltung: sie machen lange Spaziergänge am Strand, sind sportlich aktiv, haben eine aufmerksame Lebensführung.
Frage: Sie haben vorher zu zweit in einer 140 Quadratmeter Wohnung gewohnt. Verzichten Sie auf etwas?
Stuff: Ich verzichte auf ganz bestimmte Ängste. Zum Beispiel Ängste dass der Fernseher nicht geht, dass der Staubsauger nicht geht, dass die Spülmaschine kaputt ist. Die habe ich gar nicht mehr. Das gefällt mir. Ich habe früher als Fotograf viel aufgehoben: Alte Kamera, unzählige Fotos, das habe ich alles weggeworfen. Es war ein wahnsinnig aufwändiger Prozess, aber sehr befreiend mich von Dingen zu trennen. Ich brauche das nicht. Ich verzichte auf die Enge meines bisherigen Lebens. Das Einzige, das mir wirklich abgeht ist ein Backrohr. Es schult meine Aufmerksamkeit: Ich muss immer daran denken: Habe ich alles zum Fremd-Duschen dabei? Ich bin präsenter und aufmerksam im Leben.
Frage: Fremd-Duschen? Gibt es in der EINEWELTVILLA kein Badezimmer?
Stuff: Nein. Im Sommer wird es eine Dusche im Freien geben. Einen Raum zu schaffen in dem man im Winter Duschen kann, ist eine infrastrukturelle Meisterleistung: die ganzen Ventile, die Wasser-Heizung, den dichten Raum und die Heizung für den Raum. Und das alles damit man mal 15 Minuten darin duscht? Und das in jeder Wohnung? Das finde ich Vergeudung von Ressourcen. Deswegen gehe ich Fremd-Duschen. Das wirft mich in die Arme meiner Mitmenschen. Da muss ich etwas annehmen und auch etwas geben. Ich merke, dass es schwieriger ist, etwas anzunehmen. Es erhöht den eigenen Status, wenn man nur gibt. Das wirft die Frage nach der Würde auf. Fremd-Duschen nutzt die installierten Strukturen und fördert den Gemeinschaftsgedanken.
Frage: Ist Fremd-Duschen nicht parasitär?
Stuff: Ich hoffe, dass es nicht parasitär ist, weil ich immer auch etwas anbiete. Ich tausche. Erst muss mich jemand einladen und dann mache ich zum Beispiel das Bad besonders sauber, bin bereit etwas zu kochen oder meinen Teil dazu beizutragen. Tauschhandel ist eine Aufmerksamkeits-Schulung: Was braucht der andere? Was gibt er/sie mir? Werde ich wieder zum Duschen eingeladen? Haben wir beide etwas davon? Haben wir eine schöne Gemeinsamkeit? Diese Aufmerksamkeit ist ganz wichtig.
Frage: Ist die EINEWELTVILLA ein Mittel, um in Beziehung zu gehen oder in Kontakt zu kommen?
Stuff: Ein wichtiger Gedanke der die EINWELTVILLA durchzieht, ist die Unmittelbarkeit. Ich weiß unmittelbar, wie viel Wasser ich verbrauche: Wenn es weg ist habe ich nichts mehr. Sie zeigt mir unmittelbar meine Abhängigkeit als Wesen von allen anderen Menschen. Ich bin grundsätzlich abhängig, aber die Wahrnehmung dieser Abhängigkeit ist sonst verstellt durch kulturell festgelegte Plätze wo man sich zum Abendessen begegnet und dann wieder trennt. So sieht man die Abhängigkeiten gar nicht, sie werden über Versicherungen institutionalisiert.
Frage: Ist die EINEWELTVILLA institutionalisierte Unvollkommenheit?
Stuff - lacht - : Ich würde sagen Vollkommenheit. Die bürgerliche Unvollkommenheit mit ihren Glücksversprechen produziert Ängste: ob man durchhält? ob alles wirklich so wird wie geplant? Man wird administrativ immer abhängiger. Die EINEWELTVILLA ist auf jeden Fall ein Schritt in die soziale Vollkommenheit.

Für Interessierte:
Frage: Wie kann ich selbst Teil des Kunstprojektes werden?
Stuff: Indem du für eine Woche einzieht. Das ist ab Mai 2013 möglich. Indem du nach der Woche zu einem kleinen Interview bereit bist, für einen Informationsfilm deine Erfahrungen beiträgst.
Frage: Was müsste ich tun wenn ich da eine Woche wohnen will?
Stuff: Dich bei mir melden - hier per Kommentar auf diesem Blog. Dann den Wunschtermin angeben. 100 € bereit haben: 20 € für die infrastrukturellen Verbrauchsgüter und die Versorgungs-installation und den Rest für das Filmteam, das über die Teilhabe am Erfolg der EINEWELTVILLA finanziert wird. Ich verdiene nichts daran.
Frage: Wo ist Herr Stuff in dieser Woche?
Stuff: Am liebsten würde ich mit denjenigen, die in die EINEWELTVILLA einziehen, eine Woche lang die Wohnung tauschen.
Frage: Welche Risiken gehe ich ein, wenn ich das tue?
Stuff: Für Leben und Gesundheit sind mir keine Risiken bekannt. Das größte Risiko ist, dass es dir so gut gefällt, dass du nicht mehr zurück möchtest.
Frage: Ich wohne da nicht im Urlaub, sondern während des Alltags?
Stuff: Es ist kein Wochenend-Häuschen und auch kein Witz. In der EINEWELTVILLA soll wirklich gewohnt und gelebt werden. Die EINEWELTVILLA ist für den Alltag nutzbar. Um den Unterschied zum bisherigen Lebensentwurf festzustellen: in die Arbeit gehen, Freundschaften pflegen, ganz normal leben. So kannst du erkennen, wo der Unterschied liegt.
Frage: Was sind die nächsten Termine der EINEWELTVILLA?
Stuff: Sie ist ab Mai 2013 wochenweise zu bewohnen. An einem Sonntag im Monat wird Zeit der offenen Tür sein. Dann kann man sie beschnuppern und Gast sein. Im Oktober 2013 wird die EINWELTVILLA öffentlich präsentiert und ist im Rahmen der Gostenhofer-Ateliertage eine Woche lang besuchbar.
Frage: Die Besucherzahl wird begrenzt sein?
Stuff: Ich möchte, dass maximal 4 Leute gleichzeitig da sind, denn das ist eine Anzahl Menschen die das Häuschen und der Garten aushalten.
Frage: Wie wird das bei den Ateliertagen funktionieren?
Stuff: Das regelt jemand an der Eingangstür. Immer wenn jemand raus geht, kann auch wieder jemand rein.
Frage: Wie kann man seine Wäsche waschen?
Stuff: Wäsche waschen ist wie Fremd-Duschen. Nur gibt es für das Wäsche-Waschen bereits Läden. So genannte Wasch-Salons. Da kann man reingehen, die Wäsche waschen und trocknen. Die sind im Winter beheizt, man trifft andere Menschen die auch auf ihre Wäsche warten und kann in Ruhe lesen.
Frage: Wie ist die Bautechnik der EINEWELTVILLA?
Stuff: Die EINEWELTVILLA ist nach anderen Kriterien gebaut als es in unserer hoch formalisierten Zivilisation der Fall ist, wo es für alles DIN-Normen gibt. Da viele gute Werkstoffe entwickelt sind, die bei uns anderweitig verwendet werden, benutze ich z.B. zum Dämmen Federbetten, Schlafsäcke die keiner mehr braucht, die aber gut Dämmen. Ich habe auch mit Pappe gearbeitet, die mir bau-physikalisch als angenehm erscheint. Es sind warme Wände, einfach zu transportieren. Bei der Auswahl der Baumaterialien und deren Einsatz gab es viel zu berücksichtigen. Ich habe in der EINEWELTVILLA nichts verwendet für das nicht mindestens drei oder vier Gründe sprechen. Kriterien waren zum Beispiel: Kreisläufe zu fördern, keinen Müll zu produzieren, Wiederverwertbares und Geschenktes zu verwenden; Materialien zu verwenden, die beispielsweise feuchtigkeitsregulierend UND isolierend sind. Ich wollte auf keinen Fall etwas einbauen, das durch seinem Einbau noch einen weiteren Bauschritt erzwingt.
Frage: Welche Materialien sind verwendet?
Stuff: Gekauft habe ich nur standardisiertes, einfach herzustellendes Material: 40/60 Holzbalken, Schalungsbretter. Isoliert habe ich vor allem mit Federbetten aber auch mit Hanf. Viele gebrauchte, ökologische Materialien aus Gebäuden, wo ein Rückbau stattgefunden hat. Blech für die Abschlüsse (Reste von einem Lüftungsbau), gebrauchte Glasscheiben, gebrauchte Türen.
Frage: Wie ist die Wasser- und Stromversorgung?
Stuff: Als Stromversorgung wird eine 12V Fotovoltaik-Anlage installiert. Im Augenblick nutze ich 12 V - Batterien, die ich von Nachbarn aufladen lasse. Von einem anderen Nachbarn bekomme ich im Sommer Wasser über einen Schlauch. Im Winter muss ich das Wasser mit Kanistern holen. Das ist aber auch bewusst so gewählt. Ich finde es einen Wahnsinn, im Winter die selbe Fläche benutzen zu wollen wie im Sommer. Tiere haben eine andere Reaktion auf den Winter: manche machen Winterschlaf, andere hauen in den Süden ab, und es gibt die Winter-Ruhe. Verschiedene Methoden sich zu reduzieren, weil der Energiebedarf im Winter hoch ist. Genauso mache ich es auch. Im Sommer habe ich einen großen Wohnraum und gute Wasserversorgung. Um das alles im Winter aufrecht zu erhalten, müsste ich viel Ressourcen, Infrastruktur, Leistung, Kontrolle, Überwachung, Bereitschaft, Energie investieren. Ich ziehe es vor mich zu reduzieren, mich auf einen kleinen warmen Kern zurück zu ziehen. Mich in den Rhythmus der Jahreszeiten zu integrieren und dann wieder lebendig auszutoben, wenn die Kälte vorbei ist.
Frage: Heizung?
Stuff: Ich habe einen Propangasofen. Es soll ja alltagstauglich sein und es ist schön wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und es ist schon warm. Ich brauche im ganzen Winter 66 kg Propangas, das sind zwei große Flaschen.
Frage: Wie unterscheidet sich die EINEWELTVILLA von männlichen Einsiedeleien, die es bereits gibt? Mönche, die sich in Steinhöhlen zurückziehen usw.?
Stuff: Der Mensch ist ein soziales Wesen, das ohne andere Menschen nicht existieren kann. Die EINEWELTVILLA befindet sich mitten in der Stadt. 800 Meter vom größten Verkehrsknotenpunkt, neben Bahngleisen, mitten im menschlichen Dasein. Das hat wenig mit Einsiedelei zu tun. Ich will meine Abhängigkeiten von den Menschen um mich gestalten. Zum Beispiel das Wasser vom Nachbarn und das Fremd-Duschen treiben mich in die Gestaltung meiner sozialen Zusammenhänge. Die EINEWELTVILLA ist also auch ein soziales Experiment, eine Aufforderung zur Gestaltung einer sozialen Gemeinschaft, also etwas anderes als ein männlicher Einsiedelei-Traum.
Frage: Männer und Frauen reagieren unterschiedlich auf die EINEWELTVILLA?
Stuff: Ich treffe kaum jemanden der/die nicht nachfragt, den/die das nicht interessiert. Der Charme des Einfachen interessiert, weil das moderne Wohnen auch eine ziemliche Last ist. Die EINEWELTVILLA interessiert weil jemand in ihr wohnt - nämlich ich. Wie geht es dem? Geht es dem schlechter? Besser? Wird er magerer?
Männer können sich das für sich eher vorstellen. Viele Männer scheinen ganz viele Dinge, die sie doch im Wohnraum haben, gar nicht zu brauchen. Sie sagen zu mir oft: Darauf verzichte ich nicht, weil meine Frau das so will. Im Moment, in dem wir beide uns unterhalten, wohnt eine junge Frau in der EINEWELTVILLA. Die will das unbedingt ausprobieren.
Veröffentlicht am von Nikkolo Feuermacher


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